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Wisente

Wisente (wiss: Bison bonasus) sind europäische Wildrinder, die noch im Mittelalter in ganz Europa weit verbreitet waren. Heute gibt es einen nicht sehr grossen, aber gesicherten Bestand in Schutzgebieten und Tiergärten.

Beschreibung:

Wisent im Rostocker Zoo

Die grossen Tiere - sie erreichen eine Schulterhöhe von 2 m - sind Waldbewohner und ernähren sich von Laub und Zweigen, aber natürlich auch von Gras. Ein Bulle lebt mit mehreren Kühen zusammen, die ziemlich regelmässig Junge bekommen: Der Wisent könnte ein ruhiges Leben in unseren Wäldern führen - wenn er nicht eine beliebte Jagdbeute des Menschen gewesen wäre. Neben der übermässigen Jagd taten die Kultivierung des Landes und die Besiedlung bis in die letzten Winkel das ihre.

Ansonsten haben die Tiere (ausser Krankheiten) keine natürlichen Feinde; Wölfe, die ihnen gelegentlich nachstellen, gibt es ja auch nicht mehr. In freier Wildbahn werden die Tiere ca. 20 - 30 Jahre alt; Bullen haben eine geringere Lebenserwartung als Kühe.

Die heute ca. 3500 Tiere dieser Art leben überwiegend in Zoos und in den Schutzgebieten in Polen. Und auch das wäre fast schiefgegangen und damit beginnt die späte Erfolgsstory eines Grosstieres - zugleich die Erfolgsstory der Erhaltungszucht in Tiergärten und des Natur-Managements:

Die (traurige) Geschichte von Europas grösstem Landsäugetier:

Fast wäre auch diese eindrucksvolle Tierart von unserem Planeten verschwunden, so wie Riesenalk und Tarpan, Auerochse und Dronte und viele andere Arten.
Der letzte freilebende Wisent Ostpreussens wurde von zwei Wilderern im Dezember 1755 im Tapiauer Forst gewildert. Zehn Jahre lang mussten die beiden dafür übrigens auf der Festung Küstrin Erde karren.

In Polen gab es allerdings noch über 150 Jahre lang Wisente im Urwald von Bialowieza. Sie sollten für ein Erhaltungsprogramm gefangen werden, aber am 12. April 1919 - zwischenzeitlich hatte der erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 Europa verwüstet - findet eine staatliche Kommission nur noch die Spuren von Wilderern und die Reste eines gemeuchelten Wisents. Der wohl letzte freilebende Wisent Polens war nicht mehr - ein ehemaliger Forstbeamter hatte den letzten Wisent des polnischen Urwaldes auf dem Gewissen.

(Nach anderen Quellen starb der der letzte polnische Wisent am 9. Februar 1921 - es ist schon erstaunlich, dass es zwei genaue Datumsangaben gibt, die so stark voneinander abweichen!)

Damit schien die Art am Ende zu sein - ausschliesslich und ohne eine Entschuldigung ausgerottet durch die Menschen.

Die (schöne) Geschichte seiner Rettung:

Einige Zoologen wollten sich damit nicht abfinden: Sie verwiesen auf die Wisent-Bestände, die in einigen Zoologischen Gärten und Parks vorhanden waren.

Im Juni 1923 fand in Paris ein internationaler Naturschutzkongress statt. Der polnische Zoologe Jan Stolcmann nutzte die Gelegenheit, seine Idee zur Rettung des europäischen Wisents vorzustellen. Fast zeitgleich, im August 1923, wurde von deutschen Zoodirektoren die „Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents“ gegründet. Mitglieder wurden Vertreter der Länder, in denen noch Wisente in Zoos und Tiergärten standen. Das Ziel dieser Vereinigung internationaler Wissenschaftler und Förderer war die „Erhaltung des Wisents durch dessen planmäßige Zucht“ und, bei entsprechender Vermehrung, „das Aussetzen der Tiere in entsprechend große Waldkomplexe“.

Wisent-Portrait

Besonders die Gebrüder Heck (die Zoologen Heinz und Lutz Heck sind ansonsten bekannt für ihre - zweifelhaften - "Rückzüchtungs-"Versuche von Arten wie dem Auerochsen) begannen jetzt einen zähen und klugen Kampf um das Überleben der Art zu führen: Sie konnten in einigen Zoologischen Gärten einen Bullen und mehrere Kühe auftreiben. Diese Einzeltiere wurden zu einer Zuchtgruppe zusammengeführt - und sie vermehrten sich prächtig! 1956 konnten die ersten Wildrinder in Bialowieza ausgewildert werden.

Als erstes wurden alle reinblütigen Wisente in das Zuchtbuch aufgenommen, derer man europaweit habhaft werden konnte. Es waren noch 54 Tiere. Zur Zucht aber, und damit zur Rettung der Art, taugten nur noch 12 Wisente, 5 Bullen und 7 Kühe. Der große Rest war zu alt, unfruchtbar oder krank. Sorgfältige Zuchtwahl und internationale Zusammenarbeit ließen die Zahl der Wisente langsam wieder ansteigen. Der 2. Weltkrieg riss erneut große Lücken in den Bestand. Wertvolle Zuchttiere endeten sprichwörtlich im Kochtopf. Nach Kriegsende verzeichnete das Zuchtbuch 98 reinblütige Wisente weltweit, die sich nun, nach den überstandenen Kriegswirren, rasch vermehrten.

1952 kehrte der Wisent wieder in seine angestammte Heimat zurück. Im Urwald von Bialowieza wurden die ersten Tiere in die freie Wildbahn ausgesetzt. Schon 1979 gab es wieder 2000 Wisente, zur Jahrtausendwende waren es etwa 3000 Tiere, die in Gehegen und freilebend gezählt wurden. Durch die engagierte Arbeit der inzwischen fast 200 Zuchtstätten in 30 Ländern wurde ein Wunder vollbracht, das kaum mehr möglich schien: Die Rettung des europäischen Wisents! Heute leben über 1800 Wisente in freier Natur, verteilt auf Polen, Weißrussland, Russland, Litauen und die Ukraine. Fast 1200 Tiere werden in Zucht- und Schaugehegen und Tierparks gehalten. Den wohl größten Anteil an der Rettung des Wisents haben Polen und Deutschland.

Gefahren durch Inzucht:

Damit es keine Inzucht geben konnte, wurde ein Zuchtbuch angelegt, so dass immer möglichst fremde Zuchtlinien miteinander verpaart werden. Dadurch, dass heute die meisten Tiere wieder in grossen, naturnahen Schutzgebieten leben in denen sie keinerlei Verbindung mehr zu Menschen haben, wachsen gesunde Generationen heran, Tiere, die nicht nur vom Äusseren her, sondern auch von ihrem Verhalten her echte Wildtiere sind.

Wiederansiedlungsprojekt Rothaargebirge:

2009 wurde nun ein neuer grosser Schritt getan in Richtung auf die dauerhafte Wiederansiedlung der majestätischen Wildrinder: Nordöstlich von Siegen, im Rothaargebirge, wurde nach jahrelangen bemühungen eine Gruppe von Wisenten wieder in (fast) völlig freier Natur angesiedelt. Das Aussiedelungsgebiet ist über 4000 Hektar gross (das sind 40 qkm oder - als Rechteck gedacht - eine Fläche von 5 x 8 Kilometern).

Theoretisch kann der Wanderer im Rothaargebirge also wieder Wisenten begegnen. In der Praxis wird das kaum geschehen, denn die Tiere sind scheu und folgen ihrem natürlichen Fluchttrieb. Damit die Besucher der Region trotzdem das Erlebnis haben können, Wisente zu beobachten, entsteht ausserhalb des Projektgebietes ein Schaugehege, in dem ein Dutzend der grossen Wildrinder auf einer Fläche von 35 ha leben wird. Dieses Gehege soll im Frühjahr 2011 fertig gestellt werden.

Der Zoo als Arche-Noah - beim Wisent hat's funktioniert. Heutzutage gibt es etliche Tierarten, deren Überleben auf der Erde nur noch durch die Haltung in Zoos ermöglicht werden kann.

Wisente in Mecklenburg-Vorpommern:

In Mecklenburg_Vorpommern gibt es mehrere Möglichkeiten, die eindrucksvollen Wildrinder zu erleben: Mehrere Tierparks haben (meist kleine) Zuchtgruppen, z.B. die von Rostock und Stralsund. Auch der kleine Tierpark von Wismar hat ein grosses Wisentgehege.

Interessanter sind allerdings die beiden Wisent-Freigehege bei Waren/ Müritz und auf der Insel Usedom.

Dieser Artikel wird noch überarbeitet und ergänzt

 
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